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Okt 29 2012

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Fußballtraining: Räume erkennen, besetzen und Torchancen erspielen

Folgende acht Trainingsformen lassen sich zu zwei Trainingseinheiten zusammenfassen. Mit diesen lässt sich das Offensivspiel seiner Mannschaft verbessern. Im bereits vorgestellten Turbo-Lernfußball lässt sich nach wenigen Trainingseinheiten ein sicherer Balltransport von der eigenen in die gegnerische Spielfeldhälfte erarbeiten. Dies wird durch eine schnelle Ballzirkulation, eine enge Ballführung und situativem Aufdrehen umgesetzt. Neben dem Torabschluss kann es dann aber noch ab und zu am Erkennen und Nutzen von freien Räumen im Rücken der Abwehr mangeln.

Diese Fähigkeit zum Erspielen von Torchancen wird in der klassischen Trainingsmethode mit starren Spielzügen erarbeitet. Sie müssen jedoch über einen langen Zeitraum immer wieder eingeschliffen werden, damit ein Automatismus entsteht. Nur so kann in der jeweiligen Spielsituation von allen beteiligen Spielern der passende Spielzug angewendet werden. Gegnerdruck, Stress, Technikmängel und leichte Abweichungen der Spielsituation können hier zusätzlich störend einwirken.

Unserer Erfahrung nach, kann es deutlich effektiver und vor allem vom Aufwand geringer sein, auf festgelegte Spielzüge zu verzichten. Stattdessen werden die Spieler durch entsprechende Spielformen für den Pass zu einem in den freien Raum startenden Mitspieler sensibilisiert. Durch das Einstudieren von starren Spielzüge werden lediglich Handlungsmuster im Kopf der Spieler abgelegt, die dann entsprechend der Spielsituation abgerufen werden. Durch freie / ungezwungene Spielformen verbessert sich dagegen die Spielintelligenz / Spielfähigkeit und entsprechend der Spielsituation wird nicht versucht einen eingeschliffenen Spielzug umzusetzen, sondern die Situation intelligent zu lösen.

Folgende Trainingseinheiten sind kompatibel zum Turbo-Lernfußball und bestehen aus vier Elementen, die jeweils mit der kompletten Trainingsgruppe hintereinander absolviert wird. Das Training ist gekennzeichnet durch viele attraktive Wettbewerbe, viele Aktionen für die Spieler und einer einfachen Organisation. Im ersten Element wird das Techniktraining gleichzeitig zum Aufwärmen genutzt. Hier steht das Direktspiel, Spiel über den Dritten und Pass in die Tiefe im Mittelpunkt. Es werden je nach Spieleranzahl 2 bis 3 Parcours aufgebaut und diese treten gegeneinander im Wettbewerb an.

Element 1: Technik & Aufwärmen (1. Trainingseinheit)

Organisation & Ablauf

Technikübung

Fünf Position (A bis E) entsprechend der Zeichnung aufbauen. 5 Meter neben den Positionen B und E ein weiteres Hütchen stellen und Position C (15 Meter entfernt von B) mit einer Wendestange markieren. Abstand A / D – B / E = 12 Meter.

Positionen B bis E einfach besetzt. Die restlichen Spieler mit je einem Ball zum Starthütchen A.

Spieler A passt zu B, B lässt klatschen, umläuft das nebenstehende Hütchen und erhält von A einen Pass in die Tiefe. B leitet den Ball direkt zu C weiter und C spielt möglichst direkt zu D. D dreht sich mit Ball auf und passt zu E. E lässt klatschen, umläuft nebenstehendes Hütchen und erhält von D einen Pass in die Tiefe.

Alle Spieler wechseln eine Position weiter. E dribbelt durch das Zähltor Z zum Starthütchen A.

Spieleranzahl: 6 – 9 Spieler.

Wettbewerbe: Welches Team dribbelt in 4 Minuten am häufigsten durch das Zähltor Z? Für einen zweiten Durchgang zum spiegelverkehrt aufgebauten anderen Parcours wechseln.

Variation: Sprint von B um die Wendestange.

Tipp: Blickkontakt beim Pass in die Tie­fe. In offener Stellung in die Tiefe star­ten. Auf Abseits achten.

Element 1: Technik & Aufwärmen (2. Trainingseinheit)

Organisation & Ablauf

Technikübung

Eine 15 Meter große Hütchenraute (A, B, C, D) aufbauen. Zehn Meter hinter der Startposition A eine Wendestange stellen.

Die Positionen B bis D einfach besetzen. Die restlichen Spieler mit zwei Bällen zum Starthütchen A.

Spieler A passt zu B, B lässt klatschen und A legt Spieler C den Ball auf. C passt zu B und B spielt in die Tiefe zu C. C umdribbelt die Wendestange und über­ gibt den Ball zum nächsten Spieler A.

Die Spieler wechseln eine Position weiter. Sobald Position B besetzt ist startet die nächste Aktion. Anstatt über Spieler C, wird nun über Spieler D kombiniert.

Spieleranzahl: 5 – 7 Spieler. Bei 5 Spielern mit nur einem Ball spielen.

Wettbewerbe: Zwei Parcours im Wettbewerb gegeneinander antreten lassen. Wer hat nach 4 Minuten mehr Dribblings um die Wendestange?

Variation:

Tipp: Dem Passempfänger immer in den Fuß der Spielrichtung spielen.

Das zweite Trainingselement ist die Schnelligkeit in Verbindung mit dem Passspiel. Schafft man es als Trainer dies über einen längeren Zeitraum 2 bis 3 mal in der Woche zu trainieren, können hier deutliche Verbesserungen erzielt werden. Je Trainingseinheit sollte ein Spieler 10 bis 16 Sprints bis ca. 15 Meter absolvieren und dazwischen immer ca. 45 Sekunden Pause haben. Sprints müssen immer mit 100%-iger Intensität ausgeführt werden. Wie beim Techniktraining werden auch hier zwei Parcours aufgebaut, die dann im Wettbewerb gegeneinander antreten.

Element 2: Schnelligkeit (1. Trainingseinheit)

Organisation & Ablauf

Antrittsschnelligkeit

Im rechten Winkel zu einer Wendestange die Hütchen A und B postieren. Ab­ stand zur Wendestange je 15 Meter. Unterhalb der Wendestange Zähltor Z auf­ bauen.

Die Spieler teilen sich an den beiden Hütchen auf. Spieler A hat einen Ball.

Spieler B sprintet um die Wendestange, erhält einen Pass von A, dribbelt durch Z und passt zum nächsten Spieler B. Mit dem Pass zu B, sprintet A ebenfalls um die Wendestange, erhält einen Pass von B, dribbelt durch Z und passt zum nächsten Spieler A. Nach dem Dribbling durch Z immer zu der Position passen von der aus man gestartet ist.

A wechselt nach B und umgekehrt.

Wettbewerbe: Welche Gruppe ist zuerst ein sechstes Mal auf Ausgangsposition?

Variation:

Tipp:

Element 2: Schnelligkeit (2. Trainingseinheit)

Organisation & Ablauf

Antrittsschnelligkeit

Ein Hütchenhexagon aufbauen. Dieses besteht aus einem Rechteck von 15 x 8 Meter und wird von zwei 17 Meter von­ einander entfernten Hütchen ergänzt. Der Abstand zu den gegenüberliegenden Hütchen ist dabei gleich.

Die Mannschaft in drei Gruppen teilen und entsprechend der Zeichnung an drei Hütchen zur gleichen Zahl aufteilen. Der jeweils erste Spieler einer Gruppe hat einen Ball.

Auf Trainersignal dribbeln die ersten Spieler um das gegenüberliegende Hütchen herum und passen zum zweiten Spieler ihrer Gruppe zurück. Sie sprinten ihren Pass hinterher, klatschen den Passempfänger ab und dann startet dieser mit der gleichen Aufgabe in den Parcours.

Wettbewerbe: Die Mannschaft die als erstes 20 Pässe gespielt hat gewinnt.

Variation:

Tipp: Kopf beim Dribbling, Passen und sprinten heben, um zeitverlierende Zusammenstöße zu vermeiden.

Das dritte Element Ballzirkulation verbessert das Zusammenspiel. Die Spieler lernen miteinander Fußball zu spielen, ohne das der Gegner den Ball abfängt. So finden Verbesserungen u.a. in folgenden Bereichen statt: Schnelles spielen, lösen aus engen Spielsituationen, besetzen von freien Räumen, Wahrnehmung der Spielumgebung, auf Lücke gehen, Passspiel auf unterschiedliche Distanzen und in unterschiedliche Richtungen. Für die Ballzirkulation wird eine große Spielform organisiert, die mit allen Spielern gleichzeitig absolviert wird. So ist nur ein Trainer notwendig und dieser kann den Leistungsstand aller Spieler auf einem Blick verfolgen. Sollten trotzdem mehr Spieler als bei den Trainingsformen angegeben zur Verfügung stehen, laufen / dribbeln die überzähligen Spieler ums Spielfeld oder spielen auf Minitoren in einem kleinen Spielfeld 3 gegen 3.

Element 3: Ballzirkulation (1. Trainingseinheit)

Organisation & Ablauf

Ballzirkulation

Ein Feld (30 x 20 Meter) aufbauen und eine Mittellinie markieren.

Zwei 8er-Teams bilden. Je ein Trainer (Torhüter) stellen sich mit Bällen hinter den beiden Kopfseiten des Felds.

Je Spielfeldhälfte wird 8 gegen 4 auf Ball­ halten gespielt. Die restlichen Spieler der Unterzahlmannschaft pausieren in der anderen Spielfeldhälfte. Sobald ein Spieler der Unterzahlmannschaft den Ball berührt, spielt der Trainer auf der anderen Seite einen Ball zu den pausierenden Spieler. Vier Spieler jedes Teams rücken in die andere Spielfeldhälfte und nun spielt die andere Mannschaft auf Ballhalten.

Spieleranzahl: 12 – 20 Spieler. Bei mehr oder weniger als 16 Spieler die Zahl der pausierenden Spieler und die Spielfeldgröße anpassen. Bei 12 (14) Spieler 6 (7) gegen 3. Bei 20 (18) Spieler 10 (9) gegen 5. Ungerade Teamgrößen sind auch möglich.

Wettbewerbe: Bei 8 Passfolgen wird ins Ballaus gespielt, die Mannschaft erhält einen Punkt und der Trainer spielt einen neuen Ball ins Feld. Wert hat nach 5 Minuten mehr Punkte?

Variation: Ein direkter Pass zu einem Dritten Spieler ergibt zwei Punkte. Kontaktzahl je Spieler begrenzen.

Element 3: Ballzirkulation (2. Trainingseinheit)

Organisation & Ablauf

Ballzirkulation

Ein Quadrat (25 Meter) aufbauen.

Zwei 7er-Teams bilden. Zwei Spieler eines Teams stehen als Außenspieler hinter einer Seite des Quadrats sich gegen­ über.

Im Quadrat wird 5 gegen 5 auf Ballhalten gespielt. 10 Minuten Spielzeit.

Die Außenspieler alle zwei Minuten wechseln.

Spieleranzahl: 12 – 18 Spieler. Entsprechend das Zahlenverhältnis im Quadrat ändern. Spiel mit Neutralen.

Wettbewerbe: Passt ein Außenspieler direkt zu einem Dritten gibt es einen Punkt für die Mannschaftswertung.

Variation: Ein direktes Spiel zum Dritten im Quadrat wird auch mit einem Punkt belohnt.

Tipp: Spielverlagerungen anstreben, um den dadurch geschaffenen Raum zum Spiel über den Dritten zu nutzen.

Im letzten und vierten Element wird die Spielintelligenz am stärksten entwickelt. Welche Möglichkeit in welcher Spielsituation besitzt man einen Mitspieler im Rücken der Abwehr anzuspielen? Ohne feste Vorgaben, aber mit einer Spielform die das Spiel in die Tiefe provoziert, sollen die Spieler ungezwungen das System des Spiels in die Tiefe verstehen und so befähigt sein, sich instinktiv für einen Pass im Rücken der Abwehr anzubieten und einen entsprechenden Pass zu spielen. Man merke sich, dass immer der Läufer den Pass bestimmt und nicht der Ballführende! Die beiden vorgestellten Spielformen zu diesem Thema lassen sich in Turnierform absolvieren. Dies schafft einen zusätzlichen Anreiz zum Lernen.

Für das Turnier werden zwei Spielfelder für 3er- oder 4er-Teams aufgebaut. Übrig bleibende Spieler werden als neutrale Spieler eingebunden. Sie agieren jeweils mit der ballbesitzenden Mannschaft. Diese Aufgabe sollten die Stürmer einer Mannschaft übernehmen, da sie die meisten Offensivaktionen haben.

Element 4: Pass in die Tiefe (1. / 2. Trainingseinheit)

Organisation & Ablauf

Spielform „Pass in die Tiefe“

Ein Feld über die Länge einer Spielfeldhälfte und in der Breite bis zum Torraum markieren. Zwei Endzonen (Tiefe: 16 Meter) markieren. So lassen sich zwei Spielfelder je Hälfte aufbauen.

Zwei 4er-Teams bilden. Grundformation 1-2-1 (Raute).

Die Teams spielen gegeneinander. Punkte können erzielt werden, indem ein Mitspieler einen Pass in die Endzone erläuft. Der Spieler darf nicht eher als der Ball in der Zone sein (Abseits).

Spieleranzahl: 8 – 9 Spieler. Lässt sich aufgrund der Spielerzahl mehr als zwei, aber nur weniger als vier Mannschaften bilden, so wird ein kleineres Spielfeld aufgebaut, indem 3 gegen 3 gespielt wird.

Wettbewerb: Mit zwei Spielfeldern ein Turnier organisieren. Spielzeit ca. 8 Minuten.

Variation: Mit einem Neutralen im Feld spielen. Für die Verteidiger ist die Endzone tabu. Besetzte Tore hinter den Endzonen aufbauen. Nach einem Pass in die Tiefe soll es noch zum Torabschluss kommen.

Tipp: Ständig Möglichkeiten suchen in die Tiefe zu einem Mitspieler zu passen.

Element 4: Pass in die Tiefe (1. / 2. Trainingseinheit)

Organisation & Ablauf

Spielform „Pass in die Tiefe“

Ein Feld (20 x 15 Meter) plus zwei 10 Meter tiefe Endzonen aufbauen.

Zwei 3er-Teams bilden.

Die Teams spielen im Feld gegeneinander. Punkte können erzielt werden, in­ dem ein Mitspieler einen Pass in die Endzone erläuft. Der Spieler darf nicht eher als der Ball in der Zone sein (Abseits).

Spieleranzahl: 6 – 7 Spieler. Der siebte Spieler wäre ein Neutraler. Bei 8 Spielern die prinzipiell gleiche Spielform wie zuvor wählen (4 gegen 4).

Wettbewerb: Welches Team hat nach 5 Minuten mehr Punkte?

Variation: Für die Verteidiger ist die Endzone tabu. Zwei Felder und in Turnierform spielen. Hinter den Endzonen ein besetztes Tor aufbauen.

Tipp: Ständig Möglichkeiten suchen in die Tiefe zu einem Mitspieler zu passen.

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2 Kommentare

  1. geert

    Super!!! Das ist nach vorne spielen!

  2. Taktiker

    Super!
    So macht Fußball (trainieren) spaß!

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