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Jun 28 2012

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Einführung Pressing: Gezielte Balleroberungen als Schlüssel zum Erfolg

Im 4-2-3-1 kann der Gegner von drei Spielern in seiner Hälfte angelaufen werden.

Ein gegnerischer Ballbesitz ist nichts schlechtes. Im Gegenteil! Man sollte dies als Chance sehen den Ball in einem unorganisierten Zustand des Gegners erobern zu können. Die Möglichkeiten sich eine Torchance nach einer direkten Balleroberung zu erspielen sind sehr groß. Wichtig ist, dass alle Spieler ihre Aufgabe kennen und ausführen.

Die erste Regel lautet einen kompakten Mannschaftsverband herzustellen und diesen immer zwischen Ball und eigenem Tor zu postieren. Auf Spielverlagerungen des Gegners reagiert man mit einem kollektiven Verschieben Richtung Ball. Den Gegner zwingt man so in den engen Mannschaftsverband zu passen. Hier hat man nun, aufgrund den engen Abstände der Spieler zueinander, immer kurze Wege zum Ball. Der Gegner kann bereits bei der Ballannahme gedoppelt werden. Die optimale Voraussetzung für die Balleroberung!

Damit ein Großteil der Spieler nicht schon beim Spielaufbau des Gegners mit einem langen Bällen überspielt werden, lässt man sich zunächst in das mittlere Drittel des Spielfelds zurückfallen und rückt nach innen ein. Sobald nun ein ballführender Gegner in Nähe eines Offensivspielers kommt, wird er frontal angelaufen und unter Druck gesetzt. Dies soll ungenaue Zuspiele in den Mannschaftsverband provozieren. Der angespielte Gegner muss sich nun nicht nur unmittelbar mit dem Zuspiel gegen zwei Gegenspieler behaupten, sondern muss dabei auch noch den schlechten Pass verarbeiten.

Mit folgenden Verhaltensweisen lässt sich eine gezielte Balleroberung erreichen. Die Aufgaben der Spieler beziehen sich auf eine 4-2-3-1-Grundformation. Sie lassen sich aber ohne weiteres auf andere Formationen übertragen.

  • Mit dem Stürmer (ST) und den beiden Mittelfeldaussen (MA) verfügt man über drei Spieler die den ballführenden Gegner vor dem Mannschaftsverband unter Druck setzen können. Nähert sich der Ballführende wenige Meter einem der drei Offensivspielern, so wird er vom nächsten Spieler angelaufen. Ein gezielter Flugball im Rücken der Abwehr kann so verhindert werden und man nimmt dem Gegner Zeit für überlegte Aktionen.
  • Bei zentraler Ballposition wird der Gegner vom ST angelaufen. Die beiden MAs rücken hinter ihm nach innen ein. Der 10er verschiebt jeweils hinter den beiden Passlücken der drei Offensivspieler. So sollen Pässe ins zentrale Mittelfeld verhindert und ein Pass zum Außenverteidiger (AV) provoziert werden. Beim AV hat man deutlich bessere Möglichkeiten für die Balleroberung.

Pässe ins Zentrum sind zugestellt und ballnaher 6er schiebt zum doppeln raus.

  • Ist der Ball auf der Außenposition beim AV, wird er vom MA angelaufen. ST stellt die Rückpassmöglichkeit zum ballnahen Innenverteidiger (IV) zu. Der 10er schiebt hinter MA und ST und bildet mit ihnen zusammen ein Dreieck. So sind Pässe ins Zentrum kaum möglich und der Gegner wird das Spiel wahrscheinlich auf der Außenbahn fortsetzen. Der ballnahe AV rückt sofort mit dem Anlaufen des MA ins Mittelfeld. Die anderen drei Verteidiger sichern die Tiefe zentral vor dem Tor ab. Der ballnahe 6er schiebt zu MA und AV und kann auf der Ballseite den Mitspielern bei der Balleroberung helfen (Doppeln). Der zweite 6er sichert das Zentrum ab. Die Positionen der Gegenspieler sind irrelevant.
  • Gelingt dem Gegner trotzdem ein Pass ins zentrale Mittelfeld, sind die Verhaltensweisen davon abhängig ob sich die beiden 6er hinterm Ball befinden oder nicht. In diesem Fall rückt der ballnahe 6er vor und die beiden benachbarten Spieler rücken in die Tiefe ein und bilden so ein Abwehrdreieck. Der überspielte 10er setzt nach und versucht den Ball von hinten zu erobern. Sind mit dem Pass ins Zentrum dagegen auch beide 6er überspielt, so lässt sich die Abwehrkette trichterförmig auf den sicheren Abstand (22 Meter zum Tor) zurückfallen und bilden dann ein Abwehrdreieck. Die 6er setzen nach und die restlichen Spieler halten Anschluss.
  • Setzt der Gegner das Spiel auf der Außenbahn fort, so wird der angespielte Gegner vom AV und der ballnahen 6 gedoppelt. Der zweite 6er sichert das Zentrum vor den Innenverteidigern ab. Der ballnahe MA entscheidet situativ ob er bei der Balleroberung helfen muss oder auf einen Ballgewinn der beiden Mitspieler „zocken“ kann. Manche Teams schicken noch den ballnahen IV zum Doppeln auf die Außenbahn. Hierdurch wird aber das Zentrum sehr geschwächt.
  • Befindet sich der Ball innerhalb des Mannschaftsverbands und vom Gegner erfolgt ein Rückpass, soll die komplette Mannschaft nach Kommando eines Innenverteidigers vorschieben. Dies ist eine gute Möglichkeit um den Abstand zum eigenen Tor zu vergrößern. Außerdem kann der neue Ballbesitzer so direkt wieder unter Druck gesetzt werden.
  • Erkennt die Sturmspitze einen schlechten Pass im Spielaufbau des Gegners startet er diesem überfallartig nach. Die restlichen Spieler reagieren durch ein massives und sofortiges nachschieben darauf. Ein IV gibt zur Unterstützung ein entsprechendes Kommando. Im Rücken des Stürmers darf kein freier Raum entstehen.
  • Sobald die Gefahr eines Flugballs im Rücken der Abwehr besteht, sollen sich die IV nach hinten fallen lassen. So werden sie mit dem Flugball nicht überspielt und können Vorwärts in den Ball gehen. Im Vorwärtslauf lässt sich ein Ball immer besser verteidigen als im Rückwärtslauf. Die IVs sichern sich gegenseitig bei einem Kopfballduell ab. Sobald ein ballführender Gegner nicht unter Druck gesetzt wird ist die Gefahr eines Flugballs vorhanden.
  • Wird man durch ein sicheres und nach vorne orientiertes Passspiel vom Gegner in die eigene Hälfte gedrängt, versucht man sich mit zwei Viererketten hinterm Ball zu postieren. Das Mittelfeld bildet in diesem Fall ebenfalls Abwehrdreieck und Abwehrsichel.

Links: Abwehrsichel & -dreieck. Druck auf den Ballführenden und die anderen Verteidiger sichern in der Tiefe ab und schließen Passwege Richtung Tor. Mitte: Trichterförmig zurückweichen bei einem Dribbling auf die Abwehrkette. Schließen von Passwegen und Dribbling wird langsamer. Rechts: Vorrücken nach einem Rückpass des Gegners innerhalb des Verbands.

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