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Okt 23 2011

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Spielaufbau durchs Zentrum

Ziel eines kontrollierten Spielaufbaus ist es den Ball mit dem geringsten Risiko in die gegnerische Hälfte zu befördern und dort das Spiel in einer Gleich- oder Überzahlsituation fortzusetzen. Es gibt verschiedene Wege dies zu erreichen. Zum einen kann der Spielaufbau über außen erfolgen. Hierzu passt der Innenverteidiger zum vorgerückten Außenverteidiger und dieser setzt das Spiel mit einem Tempodribbling oder einem Pass zum Mitspieler fort. Der Spielaufbau kann auch über eine Seite angetäuscht werden. Der angespielte Außenverteidiger bricht dann sein Dribbling ab, spielt zum Innenverteidiger zurück und dieser verlagert das Spiel entgegen der Verschieberichtung des Gegners auf die andere Seite.

In diesem Artikel wird aber primär beschrieben, wie man einen Spielaufbau durchs Zentrum gestalten kann. Besonders empfehlenswert ist diese Methode für Fußballmannschaften die zuvor noch nicht nach einem festen Schema das Spiel aufgebaut haben. Aber auch generell gegen Gegner die ein schwach besetztes Zentrum haben. Dies ist besonders der Fall, wenn dieser mit echten Außenspielern agiert (4-4-2 flach).

Möglichkeiten des Spielaufbaus durchs Zentrum

Erster Mann im Spielaufbau ist immer der Torwart. Die Innenverteidiger (IV) gehen auf Strafraumbreite, die Außenverteidiger (AV) schieben in maximaler Breite bis fast zur Mittellinie hoch und die beiden 6er befinden sich im Abstand von 10 – 25 Meter gegenüber den IV. Nach dem Pass des Torwarts zu einem IV, kombinieren die beiden IV wahlweise zusammen mit den beiden 6ern. Die 6er kommen dabei wechselweise entgegen, lassen den Ball prallen und gehen wieder tief. Während dieses Kombinationsspiel rückt dieser „4er-Block“ leicht nach vorne. Dabei werden zunächst nur sichere Pässe gespielt. Es werden also keine Fifty-fifty-Pässe gespielt. In Bedrängnis kann auch zum Torwart oder zu einem entgegenkommenden AV gespielt werden.

Das Hauptziel dabei ist es, dass irgendwann eine Gasse zum 10er entsteht und dieser dann von einem IV mit einem tiefen Flachpass angespielt wird. Zweitbeste Option wäre es, dass ein angespielter 6er sich in Spielrichtung aufdrehen kann. Er nutzt den freien Raum vor sich für ein Dribbling und spielt dann in die Tiefe zu einem Mitspieler. Gibt es Probleme dies zu erreichen, so kann der IV auch einen gezielten Flugball in die Spitze spielen. Die AV sollen nur zur Not in der eigenen Hälfte angespielt werden, da sie ansonsten vom Gegner gepresst werden können. Wichtig ist aber immer, dass die 6er mit „Klatsch“ und „Dreh“ gecoacht werden.

Dieses Grundprinzip des Spielaufbaus lässt sich erweitern. Nachdem ein 6er zu einem AV gespielt hat, startet dieser direkt in die Tiefe und der zweite 6er besetzt seine Position, zwecks Dreiecksbildung. Beim Kombinieren des „4er-Blocks“ rotieren die beiden 6er immer mit dem 10er um eine Position. Ein angespielter IV hat zusätzlich die Option mit einem Tempodribbling an der Sturmspitze vorbeizuziehen und dann mit einem Pass in die Tiefe das Spiel zu eröffnen. Dies ist besonders im Spiel gegen eine Sturmspitze eine sinnvolle Aktion. Die Außenverteidiger rücken dann aber in die Tiefe ein und die 6er schaffen Raum.

Sollte der Gegner im Abwehr- oder Angriffspressing spielen, also sich im Feld sehr tief oder sehr hoch postieren, so können weitere Varianten der Spieleröffnung zum Erfolg führen. Beim Abwehrpressing würde man den Spielaufbau über einen angetäuschten Flügel wählen und dann über einen Innenverteidiger, mit einem diagonalen Flugball, entgegen der Verschieberichtung des Gegners die Seite wechseln. Beim Angriffspressing des Gegners spielt der IV oder der Torwart einen Flugball auf den 10er, dieser lässt den Ball auf einen 6er prallen und der 6er passt scharf nach außen in den Lauf eines Mitspielers.

Sollte doch ein AV angespielt werden müssen, so startet der ballnahe 6er sofort in die Tiefe und der ballferne 6er rückt bis ins Zentrum ein. Der angespielte AV bildet nun zusammen mit den beiden 6er ein Passdreieck.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.abwehrkette.de/spielaufbau/

13 Kommentare

Zum Kommentar-Formular springen

  1. Daniel

    Hallo Herr Hasenpflug!

    2 Fragen:

    (1) welches System ist auf der Grafik dargestelltt? Ein 4-2-1-3/4-3-3?

    (2) kann der Gegner nicht ganz einfach die beiden Innenverteidiger zu stellen? Was ist dann der Plan B? Ein langer Ball oder ein fallenlassen der Avs?

    Gruß
    Daniel

  2. Initiative abwehrkette.de

    Hallo Daniel,

    1. 4-2-3-1, lässt sich aber auf einige andere Grundformationen übertragen.

    2. Du beschreibst einen im Angriffspressing agierenden Gegner. Das ist kurz im Artikel erwähnt. Er kann natürlich auch einen gezielten Flugball auf einen Mittelfeldaussen spielen, der den Ball dann mitnimmt oder klatschen lässt.

    Gruß!

  3. Daniel

    Danke für die Antwort!

    Noch eine Frage: dieser ,Viererblock‘ wer zählt dazu? Doppel 6 und Aussenverteidiger?

    Auch raten Sie, wenn der Gegner hoch attackiert, einen langen Ball auf den 10er / Mittelfeldaussen. Aber welcher Jugendtorwart Schaft einen Abstoss/Flugball über diese Distanz?

    Gruss

  4. Angelo

    Hallo,

    erstmal finde ich den Artikel super!

    Dennoch stellen sich bei mir noch einige Fragen:

    1.Wenn der IV den 6er anspielt und dieser sich drehen kann, welcher Ball ist jetzt der entscheidende für den Torabschluss?
    2.Wie müssen sich dabei die Außenverteidiger verhalten?
    3.Und warum mach es Sinn die AV’s erst hinter der Mittellinie anzuspielen?(habe ich mal gelesen, aber finde den Artikel nicht mehr)

    LG

  5. Initiative abwehrkette.de

    Hallo,

    1. Die Spielfortsetzung ergibt sich nun durch das Gegnerverhalten. Im Idealfall kann er den 10er anspielen, der sich in Spielrichtung aufdreht und offensiv dann über drei Anspielstationen verfügt.
    2. Zumindest der ballnahe AV schaltet sich ins Angriffsspiel ein. Der ballferne AV besetzt bei einer gegnerischen Spitze den Halbraum und agiert aus diesem situativ. Bei zwei Sturmspitze sollte er sich eher defensiv orientieren.
    3. Ein angespielter AV kann sehr effektiv gepresst werden. Deswegen sollte man dem Gegner diese Gelegenheit nicht in Tornähe bieten.

    Danke für Deinen Beitrag und viel Erfolg!

  6. Felix

    Folgenden Satz verstehe ich inhaltlich nicht:

    „Beim Kombinieren des “4er-Blocks” rotieren die beiden 6er immer mit dem 10er um eine Position.”

    Vielen Dank im Voraus!

  7. Initiative abwehrkette.de

    Die drei genannten Positionen sollen ständig besetzt sein, aber nicht immer mit den gleichen Spielern. Die drei Spieler rochieren untereinander. So gestaltet sich das Aufbauspiel dynamischer und dem Gegner erschwert es Passwege zuzustellen und den Angespielten ständig unter Druck zu setzen.

  8. Rico

    Hllo zusammen!
    ich finde den Artikel zum Spielaufbau durch das Zentrum sehr gut. Mir fehlt aber zur Umsetztung in die Praxis eine geeignete Spielform für das Training. Kann mir jemand mit einer speziell auf diese taktische Aufgabe zugeschneidert Spielform helfen?

    viele Grüße
    Wolfgang

  9. Ali

    Hallo zusammen
    wo fnde ich ein oder mehrere Übungen über kontrollierte Spielaufbau aus der Abwehr durch das Zentrum ( Technischer Schwerpunkt: Innenseitstoß (offene spielstellung) ????

  10. Stefan

    Sollen sich die 6er auf einer Linie anbieten oder in Breite und Tiefe staffeln? Ball naher geht tief, ballferner kommt diagonal entgegen?

  11. Fabian

    Hallo Trainer!

    Auf der Zeichnung befindet sich die Doppel-6 auf einer Linie. Welchen Vorteil hat diese Spielweise? Sollten sie nicht gestaffelt agieren, d.h ballnahe geht tief und ballfern kommt diagonal entgegen?

  12. Fabian

    Und nochmal ich 😉 wie sollten sich die 6er verhalten wenn der Gegner nur mit einer Spitze presst? Die Innenverteidiger andribbeln lassen, tief bleiben und auf Lücke anbieten oder weiterhin entgegenkommen?

  13. Flo

    Hallo,

    Erstmal danke für diesen Beitrag. War sehr hilfreich. Eine Frage hätte jedoch auch noch. Ich spiele mit einer B-Jugend ein 4-4-1-1. jetzt stellt sich mir die Frage ob beim spielaufbau ein Zentraler Mittelfeldspieler jeweils mit den IV zusammenspielen soll bis die Lücke entsteht (der andere zentrale Mittelfeldspieler steht höher und spielt beim eigenen ballbesitz einen 8er). Dadurch wäre es anstatt dem 4er Block nur ein 3er Block. Oder soll trotzdem versucht werden den 10er anzuspielen und die Außenverteidiger stehen höher um ein überzahlspiel auf einer Seite provozieren zu können…. Die Fragestellung War hoffentlich nicht zu kompliziert 😉

    Danke im Voraus

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