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Jul 26 2012

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Sechs neue Spielaufbauvarianten für ein erfolgreiches Fußballspiel

Immer mehr Mannschaften spielen ein auf Ballgewinn ausgerichtetes Pressing: Ist man im Ballbesitz positioniert sich der Gegner mit allen Spielern zwischen Ball und Tor. Die Spieler haben kurze Abstände zueinander, so dass sie ein engmaschiges Netz bilden. Auf Querpässe reagieren sie mit seitlichem Verschieben. Der Raum Richtung Tor ist somit immer klein und der Gegner hat kurze Wege zum Doppeln. Zum Erspielen einer Torchance muss aber ein Weg durch diesen kompakten Mannschaftsverband gefunden werden.

Grundvoraussetzung sich im engen Raum zu behaupten ist ein sicheres Passspiel. Dies allein wird gegen eine konsequent pressende Mannschaft jedoch nicht ausreichen. Es müssen Wege zur Vergrößerung der Abstände der gegnerischen Spieler zueinander gefunden werden. Um dieses Ziel zu erreichen gibt es verschiedene Spielaufbauvarianten.

Jede Spielaufbauvariante besteht aus geduldigen Spielverlagerungen. Der gegnerische Mannschaftsverband muss sich immer wieder neu positionieren. Reagiert hier nur einmal ein Spieler zu langsam, vergrößert sich an einer Stelle der Abstand und eine Passlücke ist vorhanden. Aufgrund der gewählten Spielverlagerungen und Laufwege ist der Ort möglicher Passlücken bekannt. Man kann sich bereits vorab in diese Richtung orientieren. Der nichts ahnende Gegner hat dann kaum noch Chancen den Pass zu verhindern.

Als Trainer sollte man seine Mannschaft in jedes Spiel mit einer Spielaufbauvariante schicken. Bei jüngeren Teams, wo die Ausbildung von Technik und Spielintelligenz im Vordergrund steht, hält man über einen längeren Zeitraum an einer Variante fest. Im ergebnisorientierten Leistungsfußball passt man die Variante vermehrt den eigenen Stärken und den gegnerischen Schwächen an.

Unabhängig der Variante, erfolgt die Spieleröffnung immer über einen Innenverteidiger. Die Spielfortsetzungsmöglichkeiten eines Außenverteidigers ist aufgrund der Seitenlinie beschränkt. Nach dem Zuspiel durch den Torwart verkürzen die Innenverteidiger zunächst den Abstand zum gegnerischen Mannschaftsverband. Die Mitspieler bieten sich in offener Stellung Richtung Passgeber und einer möglichen Spielfortsetzung an. Um viele Anspielstationen zu schaffen ist es wichtig sich aus dem Deckungsschatten des Gegners zu bewegen. Ein sicherer weiträumiger Pass ist immer dem kurzen Pass vorzuziehen.

Einen planvollen Angriff kann man in drei Phasen unterteilen. Die erste Phase ist der Spielaufbau. Also der sichere Balltransport in die gegnerische Spielfeldhälfte. In der zweiten Phase wird ein Spieler zwischen Abwehrkette und gegnerischen 6ern freigespielt. Dies kann man durch verschiedene Gruppentakische Angriffsmittel wie Doppelpass, Pass in die Tiefe, Spiel über den Dritten und Andribbeln erreichen. In der dritten und letzten Phase eines Angriffs soll der finale Pass in die Schnittstelle erfolgen. Sind in dieser Phase keine günstigen Anspielstationen vorhanden, so sucht man das 1-gegen-1 Richtung Tor.

Links: Spielaufbau in Verschieberichtung im 4-4-2. Rechts: Spielaufbau entgegen der Verschieberichtung im 4-4-2.

Spielaufbau in Verschieberichtung: Es wird mit zwei 6ern und zwei Stürmern gespielt. Diese beiden Pärchen agieren zunächst mit geringem Abstand zueinander. Die Außenspieler gehen maximal breit und die Offensivspieler maximal hoch. Sobald der Innenverteidiger den Abstand zum gegnerischen Mannschaftsverband verkürzt hat, startet der ballnahe 6er in die Tiefe und der ballferne 6er kommt zeitgleich vertikal entgegen und geht auf Lücke. Der ballführende Innenverteidiger, ballnahe Außenverteidiger und ballferne 6er bilden zusammen ein Passdreieck. Erfolgt ein Querpass zum anderen Innenverteidiger, bieten sich die Mitspieler gegengleich an.

Die angespielten 6er lassen je nach Gegnerdruck den Ball klatschen oder drehen sich in Spielrichtung auf. Der Außenverteidiger spielt vornehmlich ins Halbfeld zur ballnahen Spitze. Der ballnahe 6er schiebt sofort dahinter und die angespielte Spitze lässt klatschen oder dreht auf. Ein 6er schaltet sich immer massiv ins Angriffsspiel ein und der zweite 6er sichert ab und bildet vor den beiden Innenverteidigern eine Rückverteidigung.

Spielaufbau entgegen der Verschieberichtung: Ein Außenverteidiger bietet sich in offener Stellung dem spieleröffnenden Innenverteidiger an. Er wird angespielt, nimmt den Ball entlang der Linie mit und dribbelt solange bis er unter Druck gesetzt wird und der Gegner zur Ballseite verschoben ist. Er kappt ab und das Spiel muss nun möglichst schnell auf den ballfernen Innenverteidiger verlagert werden. Die 6er verschieben jetzt nur leicht und die ballfernen Spieler gehen in maximaler Breite. So sollte nun ein Passweg in den Halbraum zur ballnahen Spitze entstehen.

Auch hier bieten sich die 6er ständig im Zentrum als Anspielstationen an und können nach einem Zuspiel entweder den Ball klatschen lassen oder drehen sich auf. Ist der Halbraum geschlossen, so kann der ballferne Innenverteidiger den Außenverteidiger durch Andribbeln eines gegnerischen Außenspielers blank spielen. Der ballnahe Mittelfeldaussen löst sich dann nach außen um longline anspielbar zu sein. Der ballferne Mittelfeldaussen schaltet sich immer in den Angriff ein. Sind keine sicheren Pässe nach vorne möglich, wird wieder entgegen der Schieberichtung des Gegners gepasst.

Links: Spielaufbau durchs Zentrum im 4-2-3-1. Rechts: Spielaufbau bei Angriffspressing des Gegners.

Spielaufbau durchs Zentrum: Bei dieser Variante ist eine Grundformation mit zwei 6ern nötig. In der Breite von ca. 25 Meter kombinieren zwei Innenverteidiger und zwei 6er solange miteinander bis entweder ein 6er sich in Spielrichtung aufdrehen kann oder ein Innenverteidiger zentral durch die beiden 6er zum 10er (oder ballnahe Spitze) spielen kann. Die 6er bewegen sich vertikal hoch und runter, um für einen Innenverteidiger anspielbar zu sein. Die Außenverteidiger stehen sehr hoch (ca. Mittellinie). Sollte kein Spiel durchs Zentrum zustande kommen, startet ein ballnahe Außenverteidiger entgegen und bietet sich an. Dieser kann in den Halbraum spielen oder longline zum Mittelfeldaussen.

Spielaufbau bei Angriffspressing: Stellt der Gegner die Verteidiger zu, um einen kontrollierten Spielaufbau zu verhindern, gehen beide Außenverteidiger Richtung Ecke und bieten sich dort dem Torwart an. Sobald einer von ihnen angespielt wird, bieten sich ballnaher Innenverteidiger, 6er und Mittelfeldaussen für ein Zuspiel an. Nach einem Zuspiel drehen sie auf oder lassen den Ball klatschen. Sollte der Mittelfeldaussen nach dem Entgegenkommen unter Gegnerdruck stehen, startet er longline in die Tiefe und kann mit einem Flugball bedient werden. Der Außenverteidiger läuft seine Pässe nie zu, sondern bleibt tief stehen (außer er spielt einen weiträumigen Pass).

Eine weitere Variante gegen ein Angriffspressing: Der Torwart eröffnet das Spiel mit einem Flugball in die Sturmspitze. Ein Offensivspieler versucht den Ball per Kopf zu verlängern und ein anderer Spieler spekuliert auf diese Aktion und startet in die Tiefe. Für den Fall, dass der Gegner den Ball nach vorne hin verteidigen kann, starten die 6er dem Flugball des Torwarts nach und versuchen den zweiten Ball zu gewinnen. Startet der Gegner aus einem Mittelfeldpressing in ein Angriffspressing, versucht man einen Antipressingball zu spielen.

Links: Spielaufbau gegen eine gegnerische Spitze durch Andribbeln. Rechts: Spielaufbau durch abkippenden 6er.

Spielaufbau gegen eine Spitze: Spielt der Gegner mit nur einer Sturmspitze, so dribbelt der ballführende Innenverteidiger diese an und spielt somit den zweiten Innenverteidiger blank. Dieser hat nun Raum vor sich um vorzustoßen. Auch jetzt ist wieder ein Pass in den Halbraum möglich. Der ballnahe 6er schiebt zum Pass und der Angespielte dreht sich auf oder lässt klatschen. Für den nach vorne stoßenden Innenverteidiger bleibt der zweite 6er zurück.

Abkippender 6er: Das Spiel wird von einem Innenverteidiger zu einem entgegen kommenden 6er eröffnet. Dieser positioniert sich nun zwischen den beiden Innenverteidigern. Die Mittelfeldaussen schieben maximal hoch und rücken nach innen ein. Die beiden Außenverteidiger gehen maximal breit und schieben auf Höhe der gegnerischen Mittelfeldspieler. Die restlichen drei Mitspieler (z. B. zweiter 6er, 10er und ST) gehen in der Red Zone (Raum zwischen gegnerischer Abwehr- und Mittelfeldlinie) immer auf Lücke. Die drei „Innenverteidiger“ kombinieren untereinander, aber immer mit dem Ziel einen tiefen Pass in die Red Zone zu spielen. Erfolgt ein solcher Pass, dreht sich der Angespielte entweder auf oder lässt auf einen „benachbarten“ Spieler klatschen. Um klatschen zu können, müssen sich die zwei nächsten Spieler direkt mit dem Pass in die Red Zone fallen lassen. Nach dem Aufdrehen kann beispielsweise mit den Mittelfeldaussen ein Doppelpass gespielt werden oder sogar direkt der finale Pass erfolgen.

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4 Kommentare

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  1. Niko

    Hallo abwehrkette,

    Folgende Frage zur Spielaufbauvariante abkippender 6er: wann soll der 6er, welcher beim Spielaufbau abgkippt ist zurück auf seine alte Position? Wie lange bleibt diese Dreierkette so, den ganzen Angriff über und sichert diesen ab?

  2. Initiative abwehrkette.de

    Hallo Niko,

    sobald ein Mittelfeldspieler aufdrehen kann, kann der abkippende 6er wieder ins Mittelfeld zurück. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass der abkippende 6er ins Mittelfeld dribbelt.

  3. Niko

    Hallo abwehrkette,

    was haltet ihr den von der Idee, den abkippenden 6er für den Verlauf des Angriffs zwischen den beiden IVs zulassen? In Kombination mit dem zweiten 6er würde sich eine starke Restverteidigung ergeben und beide AVs wären für offensive Aufgaben frei.

  4. felix

    Hallo Martin

    Könnte ihr mal einen Artikel zum abkippenden 6er machen?
    Wie verhält man sich bei dieser Spielaufbauvariante wenn der Gegner zustellt oder sich alternativ tief fallen lässt?

  1. Alles fließt | Clubfans United - 1. FC Nürnberg

    […] Sechser (klick)”, sagte der Wirt und […]

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