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Jul 24 2013

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Fußballtraining: Raumgewinn durch Spielverlagerung

Die beste Methode zum Raumgewinn im Fußball ist die Spielverlagerung. Gerade im modernen Fußball, wo der verteidigende Gegner stark ballorientiert verschiebt, befindet sich auf der ballfernen Seite viel freier Raum. Schafft man es den Ball schnell dort hin zu transportieren, hat man viel Platz für ein offensiv ausgerichtetes Kombinationsspiel. Der Gegnerdruck wird geringer und daher ist es technisch weniger anspruchsvoll sich eine Torchance zu erspielen.

Nach einer Spielverlagerung muss nicht zwingend auf der neuen Seite nach vorne gespielt werden. Wenn nicht genügend freier Raum vorhanden ist, kann es auch sinnvoll sein das Spiel wieder zurück zu verlagern. Dies kann vorkommen, wenn die Spielverlagerung technisch nicht gut gespielt wurde. Also der Ball zu lange unterwegs war.

Im besten Fall werden die Pässe druckvoll und in die Vorwärtsbewegung des Passempfängers gespielt. Nach einer kurzen Ballan- und Mitnahme sollte der Ball sofort weitergeleitet werden. Auch das Überspringen eines Spielers kann eine Spielverlagerung beschleunigen. Zum Beispiel indem der Außenverteidiger zum ballfernen Innenverteidiger spielt oder umgekehrt.

Je mehr Spielverlagerungen gespielt werden, desto mehr ist der Gegner gezwungen zu verschieben. Dies kostet ihm Kraft und Konzentration. Das Verschieben ist nur effektiv, wenn alle Feldspieler korrekt mitschieben. Erfüllt jemand dabei nicht seine Aufgabe, was nach einer gewissen Zeit durchaus passieren kann, entstehen Lücken. Diese sind für ein offensives Kombinationsspiel geeignet.

Eine Spielverlagerung findet am häufigsten beim Spielaufbau statt. Hier herrscht oft ein geringer Gegnerdruck, da der Gegner gerne kompakt mit einem nicht zu großen Raum zwischen Abwehrkette und eigenem Tor agiert. Eine Spielverlagerung macht aber auch oft im sogenannten Übergangsspiel Sinn oder auch in gegnerischer Tornähe. Je näher man dem gegnerischen Tor kommt, desto weniger weit muss die Spielverlagerung gespielt werden.

Als Übergangsspiel wird das nach dem Spielaufbau folgende Kombinationsspiel genannt. Dieses soll zum Erspielen einer Torchance führen. Hier wird meist über ein Sechser das Spiel verlagert. In Tornähe wird oft über einen 10er verlagert.

Wichtig bei einer äußerer Ballposition ist es, um überhaupt sinnvoll verlagern zu können, dass sich die zentralen Spieler entsprechend anbieten und die ballfernen Spieler sich in ausreichender Breite bereit halten. Die zentralen Spieler lassen sich dazu, wenn wenig Raum vor ihnen ist, schräg diagonal nach hinten fallen und nehmen das Zuspiel direkt zur ballfernen Seite mit. Wichtig für eine schnelle Verlagerung ist ihre offene Stellung zum Passgeber und zur neuen Ballseite. Dies wird in der Regel nur durch einen rückwärtigen und seitlichen Lauf erreicht. Der letzte Pass der Spielverlagerung sollte nach Möglichkeit in den freien Raum vor dem Außenspieler erfolgen.

Im Übergangsspiel sollte man sich gut überlegen, ob bei der Spielverlagerung ein Flugball sinnvoll ist. Je länger der Ball nämlich unterwegs ist, desto mehr Zeit bleibt dem Gegner zum Verschieben und den Empfänger schon bei der Ballannahme unter Druck zu setzen. Hinzu kommt, dass das präzise spielen und kontrollieren von Flugbällen, hohe technische Anforderungen an einen Spieler stellt.

Technik-Trainingsform: Spielverlagerung

Technik-Trainingsform: Spielverlagerung

Technik (Aufwärmen)

Vier Hütchen (A bis D) entsprechend einer Viererabwehrkette über die komplette Spielfeldbreite aufstellen. Einen zweiten Parcours spiegelverkehrt gegenüber aufbauen. Im Abstand von ca. 8-10 Meter von A und D jeweils ein Wendehütchen stellen.

Die Positionen A bis D einfach besetzen. Spieler C hat einen Ball.

Spieler C passt in die Vorwärtsbewegung von D, D dribbelt um sein Wendehütchen und passt zu B. B passt nach einer Ballan- und Mitnahme in die Vorwärtsbewegung von A. A absolviert ebenfalls ein Dribbling um sein Wendehütchen und passt zurück zu C.

Die Spieler verbleiben auf ihren Positionen.

Spieleranzahl: 4 – 7 Spieler. Bei mehr als 4 Spieler die Positionen doppelt besetzen. Ab 8 Spieler einen zweiten (spiegelverkehrten) Parcours aufbauen.

Wettbewerb: Welche Spieler eines Parcours dribbeln innerhalb von 4 Minuten häufiger um das Wendehütchen von D?

Variation: Spieler B hat nun den Ball. B passt zu A, A dribbelt um sein Wendehütchen und passt zurück zu B. B verlagert mit dem zweiten Ballkontakt zu C, C passt zu D, D dribbelt um sein Wendehütchen und passt zurück zu C. C spielt wieder zu B.

Tipp: Den Pass zu den Außenpositionen immer oberhalb des Hütchens spielen.

Trainingsform: Pressing lösen und Spiel verlagern

Trainingsform: Pressing lösen und Spiel verlagern

Pressing lösen

Ein Feld (24 x 12 Meter) markieren.

Zwei 3er-Teams und zwei neutrale Spieler bestimmen.

Im Feld spielen die beiden 3er-Teams auf Ballhalten gegeneinander. Jeweils ein Neutraler agiert hinter den Grundlinien.

Spieleranzahl: 8 – 16 Spieler. Bei mehr Spielern die Teams vergrößern. Bei einer ungeraden Spieleranzahl agiert ein dritter Neutraler im Feld.

Wettbewerb: Die ballbesitzende Mannschaft erhält für jede fehlerfreie Spielverlagerung von einem Neutralen zum Anderen einen Punkt.

Variation: Maximal zwei Ballkontakte. Es darf nicht zum gleichen Spieler zurück gepasst werden. Die Neutralen dürfen nur direkt spielen.

Tipp: Vororientierung beachten. Mit dem ersten Kontakt den Ball in die neue Spielrichtung mitnehmen. Aus engen Spielsituation herausspielen. Zum Schaffen von Anspielstationen aus dem Deckungsschatten des Gegners heraustreten.

Trainingsform: Ballhalten mit dem Schwerpunkt Spielverlagerung

Trainingsform: Ballhalten mit dem Schwerpunkt Spielverlagerung

Ballhalten mit Spielverlagerung

In drei Ecken eines Quadrats (40 x 40 Meter) ein Hütchentor (Breite: 5 Meter) aufbauen.

Drei 5er-Teams bilden. Drei Durchgänge spielen. Je Durchgang ist immer ein Team neutral. Je ein Spieler des neutralen Teams stellt sich hinter eines der drei Hütchentore. Die anderen zwei Neutralen stehen zentral zwischen den Hütchentoren.

Im Quadrat wird 5-gegen-5 auf Ballhalten gespielt. Die neutralen Spieler bleiben außen auf ihren Positionen.
Nach jeweils vier Minuten Spielzeit ein neues neutrale Team bestimmen und die zwei anderen Teams spielen gegeneinander.

Spieleranzahl: 11 – 18 Spieler. Bei mehr als 15 Spieler werden die Teams vergrößert. Ein Neutraler agiert dann im Quadrat. Bei weniger als 15 Spieler wird im Quadrat 4-gegen-4 oder 3-gegen-3 gespielt.

Wettbewerb: Für jeden Pass durch ein Hütchentor gibt es einen Punkt für die ballbesitzende Mannschaft. Mehrere Pässe hintereinander durch ein Tor wird mit nur einem Punkt gewertet.

Variation: Maximal zwei Ballkontakte. Die Teams im Quadrat dürfen nur direkt spielen.

Tipp: Die Neutralen zwischen den Hütchentore setzen sich immer leicht diagonal nach hinten ab und nehmen ein Zuspiel direkt in die neue Spielrichtung mit. Die Pässe flach und druckvoll spielen.

Trainingsform: Spiel auf zwei Flügeltoren

Trainingsform: Spiel auf zwei Flügeltoren

Spielverlagerungs-Spiel

Ein 20 Meter tiefes Spielfeld über die komplette Spielfeldbreite mit zwei äußeren Großtore auf einer Grundlinie markieren.

Die Tore mit Torhütern besetzen. Zwei 3er-Teams und zwei neutrale Spieler bestimmt.

Im Feld wird 3-gegen-3 plus zwei Neutrale gespielt. Das Team im Angriffsrecht darf auf beiden Tore Treffer erzielen. Das Angriffsrecht wechselt, indem der Ball erobert wird und ein Spieler des Teams den Ball kurz über die Grundlinie des Felds dribbelt. Das verteidigende Team agiert als Dreierkette.

Spieleranzahl: 8 – 10 Spieler. Bei 7 Spieler wird mit nur einem Neutralen, bei 9 Spieler mit drei Neutralen und bei 10 Spieler im 4-gegen-4 gespielt.

Wettbewerb: Welches Team hat nach einer Spielzeit von 5 Minuten mehr Tore erzielt?

Variation: Auf Jugendtore spielen. Ohne Torhüter 5 gegen 5 spielen. Zwei Spieler der verteidigende Mannschaft müssen dann als Torhüter agieren.

Tipp: Schnell das Spiel verlagern, um auf der neuen Ballseite mehr Raum zum Erspielen von Torchancen zu besitzen.

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