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Aug 15 2012

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Totales Fußballtraining: Schwerpunkt Pressing

Pressing ist das Hexenwerk des Fußballtrainers. Er zaubert bei gegnerischem Ballbesitz, aus der ursprünglichen Gleichzahl von 11 gegen 11, eine deutliche Überzahl seiner Mannschaft am Ball. Dazu postiert man sich zunächst kompakt ins mittlere Spielfelddrittel und hält die Abstände nach innen hin klein. Der Gegner soll keine Möglichkeit sehen ins Zentrum zu passen. Die gegnerischen Außenverteidiger lässt man dagegen sehr frei, damit sie angespielt werden. Erfolgt der Pass zu ihnen beginnt die Balleroberung, wie wir sie in dem Artikel Einführung Pressing beschrieben haben.

Mit den folgenden zwei Trainingseinheiten kann man seine Mannschaft in diesem Pressing schulen. Die Vorteile dieser Trainingseinheiten sind, dass man sie als alleiniger Trainer mit der kompletten Mannschaft auf einer Spielfeldhälfte absolvieren kann. Schwerpunkt der jeweiligen Einheiten sind die Spielformen 4. Diese sind gleichzeitig „Abschlussspiel“ und sollten zwischen 30 – 45 Minuten dauern.

Aufgewärmt wird sich jeweils mit einer Technikübung Klatsch & Dreh. Neben dem Passspiel wird dabei auch das gegenseitige coachen und die Ballan- und Mitnahme nach hinten trainiert. Ausserdem enthält es damit, dass vielleicht wichtigste taktische Element im Fußball, siehe Artikel Effektiv angreifen. Auf eine separate Aufwärmübung aus dem Lauf-ABC wird hier aus Zeitgründen verzichtet.

Hinzu kommen dann noch Übungen zur Antrittsschnelligkeit und Spielformen zur Ballzirkulation. In der Antrittsschnelligkeit, also der Beschleunigung, lassen sich zwar nicht so schnell Trainingserfolge erzielen wie bei Technikschwerpunkten, doch gehört sie zu den vier Grundelementen des Fußballs. Das Ausbildungssystem von Ajax Amsterdam definiert z. B. vier Grundelemente im Fußball und bezeichnet diese als TIPS (Technik, Intelligenz, Persönlichkeit, Schnelligkeit).

Die Spielformen zur Ballzirkulation fördert die Spielintelligenz. Um in Ballbesitz zu bleiben, müssen die Spieler intelligent agieren und der Situation entsprechend schnell Entscheidungen treffen: Wie und wann sollte ich einen Pass spielen, wohin und wie kann ich mich freilaufen, wohin und wie nehme ich einen Ball an, wie kann ich für einen Mitspieler einen Raum öffnen, welche Technik kombiniere ich mit der jeweiligen Spielsituation usw. Erreicht man im Spiel hohe Ballbesitzzeiten, so lässt sich das Spiel nach seinen Vorstellungen und Vorteilen gestalten, Stichwort Spielaufbau. Jeder Spieler erhält dadurch mehr Ballkontakte (plus Freilaufbewegungen), die seine fußballerische Entwicklung enorm fördern.

Erste Trainingseinheit Pressing

Trainingseinheit 1

Trainingsziele: Verbesserung der Technik (1). Verbesserung der Antrittsschnelligkeit (2). Verbesserung der Ballzirkulation (3). Verbesserung des Pressings (4).

Organisation und Ablauf 1:

  • Für je 4 Spieler drei Hütchen in eine Reihe stellen. Abstand A zu B = 10 Meter. Abstand B zu C = 12 Meter.
  • Je ein Spieler zu den Positionen B und C und zwei (drei) Spieler mit einem Ball zum Starthütchen A.
  • Spieler A passt zu B mit dem Kommando „Klatsch“ oder „Dreh“. Bei „Klatsch“ passt B direkt auf A zurück und bei „Dreh“ absolviert B eine Ballan- und Mitnahme nach hinten. Nun wird zu C gepasst. C spielt zu B und B legt den Ball für C auf, so dass er zu A passen kann.
  • A wechselt nach B, B nach C und C nach A.

Organisation und Ablauf 2:

  • Zwei 5er-Hürdenreihen im Abstand von ca. 8 Meter gegenüber aufbauen. Der Abstand der Hürden zueinander beträgt ca. 50 cm. Vor den den Hürdenreihen ein 12 Meter entferntes Zieltor errichten.
  • Die Spieler teilen sich außen neben den beiden Hürdenreihen zur gleichen Zahl auf.
  • Auf Signal des Trainers absolvieren die beiden ersten Spieler eine Koordinationsaufgabe und sprinten dann durch das Zieltor. Wer ist schneller?
  • Mögliche Koordinationsaufgaben: Seitlich Überkreuz laufen; ein Bodenkontakt je Zwischenraum, Beine im Wechsel vor und hinter das Standbein setzen. Spreizsprung und Beine überkreuz im Wechsel; seitlich über die erste Hürde mit leicht gespreizten Beine Springen (Hürde befindet sich zwischen den Beinen), Beine im nächsten Zwischenraum überkreuzen, wieder Spreizsprung über die nächste Hürde und wieder die Beine überkreuzen (jetzt anders herum). Seitlich neben der ersten Hürde stehen, hürdenfernes Bein nach vorne über die Hürde setzen, das hintere Bein nachziehen und ohne aufzusetzen vor dem Standbein wieder auf die alte Position bringen, das gleiche mit dem anderen Bein wiederholen, das bei Ausgangsposition ballnahe Bein setzt neben dem anderen Bein im ersten Zwischenraum auf, so dass man für die nächste Hürde wieder in Ausgangsposition steht.

Organisation und Ablauf 3:

  • Ein 40 x 20 Meter großes Feld markieren.
  • 6 gegen 6 auf Ballhalten spielen.
  • Freies Spiel. Eine Mannschaft bekommt einen Punkt, wenn einer ihrer Spieler einen direkten Pass zu einem Spieler gespielt hat, von dem er nicht den Ball erhalten hat (Spiel über den Dritten).
  • Bei 10 Punkten in Folge, erhält sie ein Tor und die andere Mannschaft bekommt den Ball.
  • Variation: Je nach Leistungsstand neutrale Spieler bestimmen. Punkte nach einem Ballverlust und Wiedergewinnung des Balls weiterzählen.

Organisation und Ablauf 4:

  • Ein 48 Meter tiefes Spielfeld auf Strafraumbreite aufbauen. Zwei Tore mit Torhütern besetzen. Das mittlere Spielfelddrittel mit Hütchen markieren.
  • Es wird 6 gegen 6 in den Grundformationen 3-2-1 gespielt.
  • Bei Spielunterbrechungen immer Spieleröffnung beim Torwart. Die verteidigende Mannschaft postiert sich immer kompakt ins mittlere Spielfelddrittel. Passwege ins Zentrum müssen geschlossen werden, Passwege nach außen sind offen. Bei zentraler Ballpositon verschiebt die Mannschaft nur seitlich. Bei äußerer Ballpositon übt der ballnahe Außenspieler Druck auf den Ball aus, der Stürmer stellt einen Rückpass zu, der ballferne Außenspieler schiebt in die Lücke zwischen Stürmer und ballnaher Außenspieler zum Schließen von Passwegen ins Zentrum. Der ballnahe Außenverteidiger schiebt zur Balleroberung ins Mittelfeld hoch und die beiden anderen Verteidiger schieben leicht zur Ballseite.

Tipp 1:

  • Jeden Ball flach, druckvoll und ohne Rotation spielen.
  • B befindet sich in einer leicht offenen Stellung Richtung Passgeber und dem Raum der Spielfortsetzung. A passt B immer in den hinteren Fuß.
  • Spiel wird nach der Hälfte der Zeit auf der anderen Seite absolviert. Dazu passt B seine offene Stellung an und A steht auf der anderen Seite des Starthütchens.

Tipp 2:

  • Antritte müssen für eine Verbesserung immer bei 100 Prozent liegen. Daher immer Wettbewerbe organisieren.

Tipp 3:

  • Übrig bleibende Spieler absolvieren mit einem Co-Trainer eine Aufgabe zur Ballzirkulation oder traben um das Feld und werden eingewechselt.
  • Ständige Freilaufbewegungen. Anspielstationen in Breite und Tiefe. Ballan- und Mitnahme in den freien Raum und Vorbereitung auf einen Pass zum Mitspieler. Ball nicht stoppen, er soll immer in Bewegung sein. Einfache Bälle spielen. Immer auch weite Anspielstationen schaffen und Spielverlagerungen anstreben. Im Rücken der Gegenspieler bewegen und auf Lücke gehen.

Tipp 4:

  • Bei Rückpässen immer wieder auf Ausgangsposition vorschieben. Enge Abstände der Mannschaftsteile. Doppeln und Nachsetzen. Bei eigenem Ballbesitz durch Spielverlagerungen Raum schaffen.
  • Verfügt man nur über ein Torwart, so kann man gegenüber dem Großtor ein Jugendtor stellen. Hier wird kein Torwart benötigt, wenn nur direkte Torabschlüsse als Treffer zählen.
  • Übrig bleibende Spieler absolvieren mit einem Co-Trainer eine Aufgabe zur Ballzirkulation oder traben um das Feld und werden eingewechselt.

Zweite Trainingseinheit Pressing

Trainingseinheit 2

Trainingsziele: Verbesserung der Technik (1). Verbesserung der Antrittsschnelligkeit (2). Verbesserung der Ballzirkulation (3). Verbesserung des Pressings (4).

Organisation und Ablauf 1:

  • Für je 8 Spieler zwei gegenüberliegende Hütchendreiecke (12 x 10 Meter) aufbauen. Abstand der Dreiecke zueinander ca. 8 Meter.
  • Zwei (drei) Spieler mit einem Ball postieren sich auf den diagonal gegenüberliegenden Positionen A. An den restlichen Positionen einen Spieler stellen. Die Spieler C stehen in offener Stellung zu B.
  • Die beiden Spieler A beginnen immer gleichzeitig ihre Aufgabe. A passt mit dem Kommando „Klatsch“ zu B und B spielt direkt zu A zurück. A absolviert eine Ballan- und Mitnahme nach vorne und passt mit dem zweiten Ballkontakt in den hinteren Fuß von C. Nach eigenem ermessen coacht er C dabei mit „Klatsch“ oder „Dreh“. Bei „Klatsch“ spielt C direkt zu B zurück und B passt zum zweiten Spieler A des anderen Hütchendreiecks. Bei „Dreh“ absolviert C eine Ballan- und Mitnahme nach hinten und passt ebenfalls zum zweiten Spieler A des anderen Hütchendreiecks.
  • A wechselt nach B, B nach C und C zu A des anderen Hütchendreiecks.

Organisation und Ablauf 2:

  • Drei Hütchenpaare (A und B) im Abstand von 8 Meter zueinander aufstellen. 12 Meter davon entfernt eine Ziellinie C markieren.
  • Die Spieler zur gleichen Zahl an den drei Starthütchen A verteilen. Der jeweils erste Spieler hat einen Ball.
  • Auf Trainersignal dribbeln die ersten Spieler um das Hütchen B herum, passen zum zweiten Spieler ihrer Gruppe und sprinten über die Ziellinie. Wer ist am schnellsten?
  • Mannschaftswertung bis 10 spielen. Die beiden „Verlierer-Teams“ werden mit je 5 Liegestützen „bestraft“.

Organisation und Ablauf 3:

  • Ein Spielfeld 20 x 30 Meter mit Mittellinie aufbauen.
  • Zwei 7er-Teams bilden die gegeneinander auf Ballhalten spielen.
  • Je Spielfeldhälfte wird 7-gegen-5 gespielt. Zwei Spieler des „Verteidiger-Teams“ postieren sich in die andere Spielfeldhälfte. Erobern die 5 Verteidiger den Ball, so passen sie zu einem ihrer Mitspieler in die andere Hälfte und folgen ihrem Pass. 5 Angreifer folgen ebenfalls diesem Pass und zwei Angreifer bleiben zurück. Jetzt spielen die „Verteidiger“ in der anderen Hälfte 7-gegen-5 auf Ballhalten.
  • 10 Passfolgen ergeben einen Punkt.

Organisation und Ablauf 4:

  • Ein Spielfeld auf Strafraumbreite bis zur Mittellinie aufbauen. Zwei Tore mit Torhütern besetzen. Das mittlere Spielfelddrittel mit Hütchen markieren.
  • Es wird 7 gegen 7 in den Grundformationen 3-3-1 gespielt. Dies entspricht einem 4-2-3-1 ohne 6er und einer Dreierkette anstatt einer Viererkette.
  • Bei Spielunterbrechungen immer Spieleröffnung beim Torwart. Die verteidigende Mannschaft postiert sich immer kompakt ins mittlere Spielfelddrittel. Passwege ins Zentrum müssen geschlossen werden, Passwege nach außen sind offen. Bei zentraler Ballpositon verschiebt die Mannschaft nur seitlich. Bei äußerer Ballpositon übt der ballnahe Außenspieler Druck auf den Ball aus, der Stürmer stellt einen Rückpass zu, der 10er schiebt in die Lücke zwischen Stürmer und ballnaher Außenspieler zum Schließen von Passwegen ins Zentrum. Der ballnahe Außenverteidiger schiebt zur Balleroberung ins Mittelfeld hoch und die beiden anderen Verteidiger schieben leicht zur Ballseite.

Tipp 1:

  • Nach der Hälfte der Zeit die Spielrichtung wechseln. Die Pässe beginnen dann bei B und C passt seine offene Stellung an.
  • Druckvolle und präzise Pässe spielen.
  • B läuft nach dem klatschen lassen nicht sofort zu C, sondern wartet zunächst auf das Kommando von A zu B. Erfolgt das Kommando „Klatsch“ kann B aus einer tieferen Position in den Ball gehen und so aus der Bewegung heraus einen Pass spielen.
  • Erhält der zweite Spieler A den Ball, hebt er kurz den Kopf zur diagonalen Position A und spielt erst, wenn sich dort der Ball befindet.

Tipp 2:

  • Beim Trainersignal darf der Ball nicht vor dem Hütchen A liegen.
  • Hütchen B soll komplett rechts (links) herum umdribbelt werden.
  • Das Trainersignal erfolgt entweder akustisch der visuell. Ein visuelles Signal wird in der Regel empfohlen.

Tipp 3:

  • Nur flache Pässe spielen.
  • Je nach Leistungsstand die Spielfeldgröße ändern.
  • Übrig bleibende Spieler absolvieren mit einem Co-Trainer eine Aufgabe zur Ballzirkulation oder traben um das Feld und werden eingewechselt.
  • Siehe erste Trainingseinheit. Nach einem Pass sofort wieder anbieten. Nach Ballverlust sofort nachsetzen. Körper zwischen Ball und Gegner bringen. Besonnen spielen. Den Ballbesitzer nicht zu dicht auflaufen. Das Spiel breit machen.

Tipp 4:

  • Siehe erste Trainingseinheit. Bei zentraler Ballposition schiebt der 10er ebenfalls immer hinter den Lücken von Stürmer und Außenspieler zum Schließen von Passwegen ins Zentrum.
  • Bei äußerer Ballposition schiebt der ballferne Außenspieler je nach Situation entweder hoch, um Passwege zu schließen und im Falle einer Balleroberung eine Anspielstation in der Spitze zu sein, oder lässt sich nach hinten zur Unterstützung der Defensive fallen.

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4 Kommentare

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  1. Hotu Matua

    Inhaltlich ist die Einheit wirklich gut. Eure Anmerkung, man könne sie als „…alleiniger Trainer mit der kompletten Mannschaft auf einer Spielfeldhälfte absolvieren“ muss ich allerdings wiedersprechen. Allein die Tiefe (Übung 4: 48 Meter, Übung 3: 20 Meter) lässt das nicht zu. Auch ansonsten scheint mir Eure Spielfeldgrafik nicht ganz Maßstabsgerecht zu sein.
    Vielen Dank für die vielen guten und praktischen Anregungen – sie sind oft eine gute Unterstützung!

  2. Initiative abwehrkette.de

    Danke für Dein Feedback! Die Spielfeldgrafik ist tatsächlich nicht Maßstabgerecht (sollten wir mal erwähnen). Da man die vorgestellten Trainingsformen hintereinander ausführen kann, ist es aber tatsächlich möglich als alleiniger Trainer ein Mannschaftstraining, mit vielen Aktionen für jeden Spieler, durchzuführen. Übung 4 wird dann erst nach Übung 3 aufgebaut und dafür müssen dann auch die vorherigen Übungen weggeräumt werden.

  3. Oberli

    Ihr Buch spielend angreifen lernen liebe ich sehr. Allerdings wird es auf Seite 68 etwas verwirrend. Die Bilder stimmen nicht zum Text. Ich besitze das Buch nun doch recht lange. Erst jetzt ist mir aufgefallen das Ihr Buch nach der Seite 68 erst wieder mit der Seite 77 weitergeht. Es fehlen einige Details über den Positionsangriff. Gerne würde ich die fehlenden Seiten einsehen.

    Herzliche Grüsse

    Jürgen Patrick Oberli
    Seestrandweg 64
    CH-3235 Erlach

  4. Initiative abwehrkette.de

    Dann hast Du ein Fehldruck. Hier bei uns ist alles OK. Meld Dich einfach mal direkt beim Autor, vielleicht kann er es Dir umtauschen: http://www.fussballtraining.li

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